Kirsten Boie
Autorin und weltbekannt für ihre Kinderbücher
„Wenn wir mehr Fachkräfte wollen, brauchen wir dringend eine bessere Bildung – vor allem für benachteiligte Kinder. Dabei können Stiftungen helfen.“
Kirsten Boie ist eine der renommiertesten, erfolgreichsten und vielseitigsten deutschen Kinder- und Jugendbuchautorinnen. Sie wurde 1950 in Hamburg geboren, studierte dort Germanistik und Anglistik. Nach dem ersten Staatsexamen in den Fächern Deutsch und Englisch promovierte sie im Fach Literaturwissenschaft. Sie arbeitete als Lehrerin, 1983 adoptierte sie mit ihrem Mann ihr erstes Kind und gab auf Verlangen des Jugendamtes ihre Berufstätigkeit auf.
Inspiriert durch die eigene Situation schrieb sie ihr erstes Kinderbuch „Paule ist ein Glücksgriff“. Ihr Debüt wurde ein beispielloser Erfolg. Inzwischen sind von Kirsten Boie weit mehr als hundert Bücher erschienen und in zahlreiche Sprachen übersetzt worden. Einige wurden verfilmt, z.B. „Der kleine Ritter Trenk“ oder die Möwenweg-Reihe.
2007 wurde Kirsten Boie für ihr Gesamtwerk mit dem Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises ausgezeichnet, 2011 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. 2019 beschlossen Bürgerschaft und Senat, sie zur Ehrenbürgerin Hamburgs zu machen. 2022 wurde sie erneut mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet, für ihr Jugendbuch „Dunkelnacht“.
Kirsten Boie ist in vielfältiger Weise sozial engagiert. Besonders die Lesekompetenzförderung liegt ihr am Herzen. 2018 initiierte sie mit 26 Hamburger Persönlichkeiten die Hamburger Erklärung „Jedes Kind muss lesen lernen“. Mit ihrer Möwenweg-Stiftung fördert sie verschiedene Projekte für Kinder, ein Schwerpunkt ist ein Aids-Waisenprojekt in Eswatini, das rund 3.500 Kinder betreut.
Frau Boie, in Ihrem neuen Märchen „Der Hoffnungsvogel“ geht es um Hoffnung, Mut und Zuversicht. Dinge, die auch beim Stiften wichtig sind?
Natürlich, und wie! Damit Menschen sich engagieren, mit ihrer finanziellen Unterstützung oder mit ihrer Zeit, brauchen sie die Hoffnung, vielleicht sogar die Zuversicht, dass ihre Ziele wirklich erreichbar sind. Genau darum geht es natürlich auch beim Stiften.
Bücher, das Schreiben und Lesen, machen Ihre Karriere als Autorin aus. Wie möchten Sie sich mit Ihrem Wissen und Ihren Kontakten einbringen als neues Mitglied des Kuratoriums der Haspa Hamburg Stiftung?
Inzwischen gibt es schon eine Reihe von Kontakten, bei denen es um die Zusammenarbeit im Bereich Bildungsgerechtigkeit, Lesekompetenz und um meine Unterstützung einzelner Stiftungen geht. Ich bin überrascht und froh, dass sich das so schnell entwickelt hat!
Sie setzen sich seit Langem für die Leseförderung ein, auch jetzt als Schirmherrin für das Projekt „Lesetüte“. Nicht Ihr einziges Engagement. Woher nehmen Sie die Zeit und Energie, sich für andere starkzumachen?
Meine inzwischen jahrzehntelange Erfahrung – wie die vieler anderer Menschen gerade auch im Stiftungsbereich! - ist: Es gibt kaum etwas, das mehr Freude bereitet, als etwas zu tun, das man als sinnvoll empfindet. Gerade zum Thema Bildungsgerechtigkeit habe ich in den letzten vierzig Jahren durch meine regelmäßigen Kontakte mit Schulen und Kindern in Hamburger Stadtteilen von Wilhelmsburg bis Othmarschen viele Erfahrungen sammeln können. Hier positive Entwicklungen anzuschieben ist mir wichtig. Ich bin dankbar, dass ich das immer wieder tun kann!