Prof. John Neumeier
Intendant des Hamburg Ballett
„Durch Stiftungen können wir das kulturelle Erbe bewahren und gleichzeitig neue kreative Wege erkunden.“
John Neumeier war von 1973 bis 2024 Ballettdirektor und Chefchoreograf des Hamburg Ballett sowie Ballettintendant. Er wurde 1939 in Milwaukee/Wisconsin, USA, geboren. Den ersten Ballettunterricht erhielt er in seiner Heimatstadt, später in Kopenhagen und an der Royal Ballet School in London.
1963 engagierte ihn John Cranko an das Stuttgarter Ballett, wo er zum Solisten avancierte und auch als Choreograf hervortrat. 1973 wurde er Direktor und Chefchoreograf des Hamburg Ballett. Unter seiner Direktion wurde das Hamburg Ballett zu einer der führenden Ballettcompagnien der deutschen Tanzszene und erhielt internationale Anerkennung.
1975 rief John Neumeier die Hamburger Ballett-Tage ins Leben, drei Jahre später gründete er die Ballettschule des Hamburg Ballett, 2011 das Bundesjugendballett. Er ist Träger zahlreicher internationaler Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz und der Kyoto Preis (2015).
Im Februar 2006 errichtete John Neumeier die John Neumeier Stiftung mit dem Ziel, seine Sammlung zu den Themen Tanz und Ballett zu erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Herr Neumeier, Sie sind neues Kuratoriumsmitglied der Haspa Hamburg Stiftung. Wie werden Sie sich als künstlerische Persönlichkeit in diesem Gremium einbringen – es stärken können?
Hamburg ist meine Wahlheimat. Als ich 1973 hierherkam, habe ich die Stadt und ihre Menschen als unglaublich engagiert kennengelernt. Dieser Eindruck ist bis heute geblieben – und alles, was daraus entstanden ist, hat mein Leben vielfach bereichert.
Die großen Erfolge, insbesondere mit dem Hamburg Ballett, haben mir den Zugang zu wichtigen Gesprächskanälen eröffnet. Als Kuratoriumsmitglied der Haspa Hamburg Stiftung werde ich ein waches Auge darauf haben, dass bürgerschaftliches Engagement und künstlerische Nachwuchsarbeit in unserer Hansestadt noch stärker Hand in Hand gehen.
2006 haben Sie Ihre John Neumeier Stiftung ins Leben gerufen. Gutes zu tun, sich für andere zu engagieren, liegt Ihnen ganz offensichtlich am Herzen. Was motiviert Sie daran, Menschen zu helfen?
Als Choreograf gehört es zu meinen Aufgaben, mich in unterschiedlichste Charaktere und Schicksale einzufühlen. Daher war es für mich selbstverständlich, die prominente Rolle des Hamburg Ballett im Kulturleben unserer Stadt auch für Menschen zu nutzen, die auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind. Seit Jahrzehnten unterstützen wir beispielsweise – gemeinsam mit dem Publikum unserer Ballett-Werkstätten – die vorbildlichen Initiativen von Hamburg Leuchtfeuer und der Stiftung Tanz. Außerdem setze ich mich als Kuratoriumsmitglied des Fördervereins Universitäres Herzzentrum Hamburg für die großartige Arbeit dieser Klinik ein, an der mein Mann Hermann Reichenspurner als Ärztlicher Leiter wirkt.
Die John Neumeier Stiftung betreut u. a. meine Sammlung, die ich im Laufe der Jahrzehnte aufgebaut habe. Diese Tanzsammlung umfasst heute ca. 50.000 Objekte. Mir war früh bewusst, dass der einzigartige Bestand nicht nur für mich persönlich da sein, sondern als Ganzes eine Öffentlichkeit erreichen sollte. Gemeinsam mit der Stadt Hamburg kommen wir diesem Ziel Schritt für Schritt näher. Die Planungen für die Generalsanierung des zukünftigen John Neumeier-Instituts sind auf einem guten Weg
Ihre letzte Spielzeit am Hamburg Ballett läuft. Verraten Sie uns, womit Sie sich in der Zeit danach beschäftigen werden?
Ich bin Künstler und für mich ist das, was ich als Choreograf mache, eine Berufung. Indem ich die administrativen Verpflichtungen hinter mir lasse, gewinne ich Zeit – und die Freiheit, noch intensiver als bisher den internationalen Anfragen für Kreationen und Einstudierungen nachzugehen. Abgesehen davon werde ich meine langfristigen Aufgaben als Intendant des Bundesjugendballett und Festivalkurator in Baden-Baden weiterführen.
In jedem Fall aber gilt: Hamburg ist und bleibt mein Zuhause.